Neulich haben wir hier darüber gesprochen, dass Deutschland sich wieder fangen kann. Nicht in der Tonlage der üblichen Untergangspropheten, sondern nüchtern: Die Substanz ist da, der Mittelstand baut, die Mitdenkfähigkeit ist nicht plötzlich verschwunden. Einige konkrete Vorschläge, wie es weitergehen kann, habe ich bereits in meinem vorigen Artikel aufgezeigt.
Und Herausforderungen?
Davon haben wir mehr als genug.
Man kann nun endlos theoretisieren und Statistiken stapeln, bis sich die Balken biegen. Manchmal genügt aber ein einziges Bild:

Reales BIP pro Kopf, USA vs. Deutschland, indexiert auf 100 im 1. Quartal 2008. Quelle: FRED (GDPC1, CLVMNACSCAB1GQDE), BEA- und Weltbank-Bevölkerungsdaten.
Das hier ist das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP oder GDP für „gross domestic product“) pro Kopf – USA gegen Deutschland, beide normiert auf 100 im ersten Quartal 2008, kurz vor der Finanzkrise. Beide Länder stürzen 2008 ab – erholen sich dann aber. Ähnliche Story auf beiden Seiten des großen Teichs.
Doch nach dem Covid-Debakel kam plötzlich die Wende.
Die USA holen auf, klettern weiter und laufen davon – rund 27 Prozent über dem Stand von 2008. Deutschland aber „bleibt liegen“. Seit etwa 2020 tut sich am Standort D pro Kopf so gut wie nichts mehr.
Das sieht in absoluten Zahlen (also pro Land) nicht anders aus, aber hier rechne ich lieber pro Kopf und nicht pro Land, weil das für uns die wichtigere Kennzahl ist. Hier die Logik: Deutschland lebt von deutschen Köpfen. Hier ist sonst nichts – kein Öl, kein Gas, keine endlosen Bodenschätze, kein Kontinent voller Ackerland. Was wir haben, sitzt zwischen den Ohren. Die Gesamtwirtschaft kann man mit Bevölkerungswachstum und Zuwanderung aufblähen; die Amerikaner tun das auch. Was am Ende aber über Wohlstand entscheidet, ist die Pro-Kopf-Leistung. Und genau die ist bei uns seit Jahren wie gelähmt.
Das ist die schlechte Nachricht – visualisiert zum Genießen bei Ihrer ersten Tasse Kaffee.
Stagnierendes BIP hat zwangsläufig Folgen, auf die ich jetzt nicht eingehen werde, aber wichtig ist, dass diese Stagnation kein gottgegebenes Naturgesetz ist. Sie ist das Ergebnis von Entscheidungen, und Entscheidungen kann man anders treffen. Man braucht keinen Doktortitel, um zu erkennen, dass wirtschaftliche Stagnation nicht gut ist.
Wir können das besser. Wir können es wirklich. Und ich bin fest davon überzeugt, dass wir es auch tun werden.
Unter einer Bedingung allerdings: Wir müssen aufhören, preußischer zu sein, als die Polizei erlaubt. Aus jeder Brüsseler Richtlinie eine deutsche Auslegung zu machen, die zwei Nummern strenger ist als das Original – das freut jeden Auditor, aber dann eben nur den. Man kann mit einem gewissen Genuss jeden Prozess so lange dokumentieren, bis das Produkt darunter erstickt – und sich selbst Fesseln anlegen, die einem niemand vorgeschrieben hat, um sie dann auch noch besonders gründlich zuzuziehen.
Die BIP-Linie bleibt nicht flach, weil uns die Köpfe fehlen. Sie bleibt flach, solange wir den Köpfen keine Luft lassen.
Sie müssen mir verzeihen, dass ich nun albern werde, aber ich habe eben immer die Kinderserie „Bob, der Baumeister“ im Kopf, weil das hier so gut passt.
„Können wir das schaffen?!“ – „Yo, wir schaffen das!“