Elektroautos sind hier. Wehe dem, der sich damit nicht abfinden kann.
Vor einigen Jahren hätte kaum jemand gedacht, dass Tesla einmal zum Enfant Terrible der etablierten Automobilwelt werden würde. Zu Beginn wurde das Unternehmen oft belächelt und als vorübergehendes Phänomen abgetan. Es war verständlich, warum einige diese Ansicht teilten. Das traditionelle Fahrzeugbauhandwerk, insbesondere bei Verbrennungsmotoren, war eine hochkomplexe elektromechanische Aufgabe. Doch eine genauere Betrachtung ergibt, dass die Entwicklung von Verbrennungsmotoren in der Praxis oft mehr durch Erfahrung und fortwährendes Experimentieren als durch reine Theorie getrieben wird. Es ist eine Strategie von Thomas Edison: Immer wieder versuchen, bis man eine Lösung gefunden hat; eine rein empirische Strategie.
Tesla erhielt verschiedene Etiketten. Manche nennen es einen „bunten Hund“, andere sehen darin eine Provokation. Tesla hat sich sicherlich als Regelbrecher etabliert und für viele ist es das „Ding, das aus dem Sumpf kam“. Das Enfant Terrible der Fahrzeugindustrie. Doch was Tesla wirklich auszeichnet, sind seine innovativen Ansätze:
- Giga Casting: Eine Technik, die den Produktionsprozess revolutioniert, nicht zuletzt durch die Zeit- und Geldersparnis des Ansatzes.
- In-House-Entwicklung: Tesla hat seinen eigenen Chip entwickelt und verlässt sich nicht auf externe Software-Teams. Dies ist umso wichtiger, wenn man erkennt, dass Software im heutigen Zeitalter ein zentrales Element des Automobilbaus ist.
- Supercharger: Ladestation, die eine besonders schnelle Aufladung ermöglichte.
- Solar Roof: Teslas Sonnenkollektoren
- Powerwall: stationäre Ladeschränke
Zudem hat Tesla es geschafft, seine Profitabilität dramatisch zu steigern – ein Ergebnis, das viele für unmöglich gehalten hätten.
Tesla verdankt seinen Erfolg nicht nur der knüppelharten Gangart des Unternehmens in allen Bereichen: Produktion, Mitarbeiter, Vertrieb, etc. – alles scheint anders zu ticken als es bei den „normalen“ Fahrzeugherstellern gewohnt ist. Was noch erstaunlicher ist, ist die Tatsache, dass Teslas Mitarbeiter diese Gangart mittragen. Kein „normaler“ Mitarbeiter der etablierten Fahrzeughersteller würde diese Dauerbelastung aushalten und sich auch noch über das Ergebnis freuen.
Die Erkenntnis, dass der Fahrzeugbau vor allem wegen der Verbrennungsmotoren kompliziert sei, stellt jedoch die eigentliche Schlüsselerkenntnis dar. Wenn man den Verbrennungsmotor entfernt, mit allen anfälligen Bestandteilen wie Gangschaltung, Motorölführung, Anlasser, Katalysatoren etc., von den neulich hinzugekommenen Harntanks bei Dieselmotoren ganz zu schweigen, und durch den simplen Elektromotor und eine Batterie ersetzt, erscheint die Welt gleich deutlich einfacher. Sicherlich sind andere, komplexe Aspekte eines Elektrofahrzeugs auch nicht trivial, insbesondere die Batteriekühlung und die damit verbundene Elektronik und Software, jedoch sind Lösungen dieser Probleme nicht durch jahrelanges Herumprobieren zu erreichen, wie es einst etwa bei dem TDI-Dieselmotor der Fall war.
Was an dem Phänomen Tesla noch speziell ist, ist der innovative Ansatz des Unternehmens. Manche sagen, Tesla sei kein Autohersteller. Ja, Autos sind natürlich wichtig, jedoch ist die Elektro-Infrastruktur eine weitaus potentere Strategie. Sie enthält neben Elektroautos auch Ladestationen, Elektrospeicher, und mehr. Tesla ist aus meiner Sicht auch kein Autohersteller; es ist ein Mobilitäts-Infrastruktur-Unternehmen, das schamlos die grüne Welle reitet, die durch die Klimaschutz-PR losgetreten wurde. Diese Pandora-Box bekommen wir wohl auch nie wieder zu: egal, wie man zum Klimawandel steht, sie ist zum Selbstläufer geworden.
Das Naturell der Verbrennungsmotoren war die Thermodynamik. Bei Elektromotoren, und speziell bei Tesla, ist nur die Dynamik übrig – mit Folgen, die wir noch jahrzehntelang spüren werden.
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