Lingua anglica

Der lateinische Begriff Lingua franca als Synonym für die führende Weltsprache sollte in „Lingua anglica“ umgetauft werden. Die aktuelle Krise kann – und sollte – Ansporn für die persönliche Weiterbildung sein. Englisch ist ein ideales Feld für berufliche Selbstbildung, denn die moderne Technologie hilft dabei in einem noch nie dagewesenen Maß. So macht das Englischlernen Spaß.

Dies ist ein Artikel aus der Reihe „Von der Krise profitieren“, siehe link.

Haben Sie Ihren Englischlehrer gemocht? Haben Sie dabei praktisches Englisch gelernt? Nicht jeder erinnert sich gerne an den Englisch-Leistungskurs. Neulich hörte ich von einem Englischlehrer, der zwar schreiben und lesen, aber kein Englisch sprechen konnte. Er hat seinen Schülern reines „Denglisch“ beigebracht: für ihn war es „es-ka-pe“ (wie man es auf Deutsch aussprechen würde), nicht „escape“. Ja, es war in Deutschland und nicht auf einem anderen Planeten.

Dabei kein Englisch richtig Spaß machen. Zur Motivation habe ich im Folgenden einige interessante Fakten zum Thema Englisch zusammengetragen:

  • Warum ist Englisch nicht geschlechtsspezifisch? Es gibt bekanntlich nur die Artikel „a(n)“ und „the“, während die meisten anderen Sprachen geschlechtsspezifische Nomen benutzen.
  • Während der normannischen Besatzung vor knapp 1000 Jahren veränderte sich stufenweise die englische Sprache. Normannen (heute würde man „Franzosen“ sagen) nutzen geschlechtsspezifische Artikel. Diese waren indes mit den einheimischen Artikeln inkompatibel, was sicherlich zu einigen Irritationen führte. Die pragmatische Lösung bestand darin, auf geschlechtsspezifische Artikel stufenweise ganz zu verzichten.
  • Die englische Sprache umfasst einen kolossalen Wortschatz: etwa eine Million Wörter (siehe hier). Schlimmer noch: Der englische Wortschatz wächst weiterhin über alle Maße; in den vergangenen 100 Jahren soll er um 100 Prozent zugelegt haben!
  • Es gibt nicht das Englische – Englisch ist national extrem unterschiedlich. Das betrifft alle Aspekte, sowohl den Akzent als auch die Nutzung verschiedener Wörter für ein und dieselbe Sache wie „truck“ vs. „lorry“ (Synonyme), alternative Wörter wie „spectacles“ vs. „glasses“ oder gleiche Worte mit einer je eigenen Bedeutung wie „pants“.
  • Schätzungsweise zwei Milliarden Menschen sprechen Englisch.
  • Mit ca. 10.000 englischen Vokabeln spricht man „fließend“ Englisch. Die restlichen rund 999.990.000 Vokabeln sind also „nice-to-have“.
  • Bereits vor knapp 100 Jahren haben Linguisten versucht, ein rudimentäres Englisch zu entwickeln, zum Beispiel „Basic English“. Dabei genügen ca. 1000 Wörter, um eine sinnvolle Konversation zu führen.
  • Englisch kann sehr kompakt sein. Der kürzeste vollständige Satz in der englischen Sprache ist: „I am.“
  • Die englische Rechtschreibung ist vielen von uns ein Graus. Wie kam es zu diesem Durcheinander? Es war eine Art Betriebsunfall. Als im 15. Jahrhundert der Buchdruck eingeführt wurde, existierten noch keine englischen Wörterbücher; jeder schrieb, wie es ihm gefiel. Mangels Alternativen wurden Ausländer aus dem heutigen Belgien beschäftigt. Diese Mitarbeiter konnten aber kaum Englisch und wurden recht kreativ. Das Ergebnis ist bekannt.

Ich finde es übrigens höchst unglücklich, dass Englisch „Englisch“ heißt. Letztendlich heißt „Latein“ nicht „Italienisch“ (auch wenn der Begriff dem italienischen Ort „Lazio“ bei Rom entstammt, was aber nicht weiter stört). Wenn wir Englisch in, zum Beispiel, „Supra“ umbenennen würden, wären die nationalen Gemüter sicher ruhiger. Bis wir jedoch einen besseren Namen etablieren, bleiben wir erst einmal bei „Englisch“.

Englisch? Das habe ich doch schon in der Schule gehabt …

Haben Sie während Ihrer schulischen Ausbildung Englisch als Fremdsprache gewählt, dann haben Sie (oder Ihre Eltern) damit einen wichtigen Grundstein für Ihre berufliche Karriere gelegt. Doch beim Begriff „Schulenglisch“ schwingt – wohl nicht ganz zu Unrecht – eine gewisse negative Note mit. Eigentlich wissen wir es selbst, geben es aber ungern zu: So ganz konzertreif ist das Englisch der meisten von uns nicht. Spätestens wenn man vor einem größeren, internationalen Gremium steht, offenbart sich vielen von uns die ganze Wahrheit. Insgeheim denkt man vielleicht dann: „Ich hätte-ich würde-ich könnte doch viel besser sprechen (können)!“

Der allererste Schritt ist es, einzusehen, dass man ein Problem hat, das aber lösbar erscheint. Es ist im zweiten Schritt wichtig zu erkennen, wie viel Arbeit das bedeutet. Dann ist es noch ultimativ wichtig, seinen eigenen „inneren Schweinehund“ in den Griff zu bekommen. Doch machen die eigenen Kollegen es uns manchmal schwer, die erforderliche Motivation aufrechtzuerhalten. Besonders bedenklich ist eine oft unter den eigenen Kollegen herrschende Grundstimmung: „Wir sind doch in Deutschland – lass uns Deutsch reden!“ – so hört man es manchmal in deutschen Bürostuben. Es ist eine natürliche, reflexartige Reaktion, und sie mag auch sachlich richtig sein. Jedoch ist die demotivierende Wirkung solcher Kommentare für den Englisch-Lernenden wenig hilfreich.

Dabei ist es mehr als offensichtlich, dass Englisch ausgesprochen omnipräsent geworden ist. Es vergeht kein Tag ohne Hunderte englische Begriffe in den Medien, und die Zahl englischer Neologismen wächst unaufhaltsam. Gegen diese Flut kann man ein Leben lang erfolglos und bitter ankämpfen – oder die Realität akzeptieren und davon persönlich profitieren. Wenn Sie immer noch nicht überzeugt sind, fragen Sie sich doch einfach: Was habe ich persönlich von solch einem puristischen linguistischen Kreuzzug gegen den anglophilen Trend? Eigennutz ist eine wichtige Triebfeder – folgen Sie ihr einfach. Führen Sie keine sinnlosen Kriege – gewinnen Sie doch mit. Eines Tages werden Sie sich selbst dafür danken.

Das Lernziel

Was bedeutet es aber genau, ein „gutes“ Englisch zu sprechen? Wann ist mein Englisch „gut genug“? Ich empfehle, die sprichwörtliche Kirche im Dorf zu lassen und keinen Perfektionismus anzustreben. So wichtig, wie das Thema „Englisch“ ist, Sie haben ja auch noch anderes zu tun. Es ist daher sinnvoll, die richtigen Lernumfänge einzugrenzen. Dazu gehören die folgenden Sachgebiete:

  • Kernwortschatz. Dabei sind ca. 10.000 Wörter erforderlich, um in allen, auch technisch geprägten Situation souverän auf Englisch zu agieren.
  • Grammatik. Während die englische Grammatik recht unproblematisch erscheint, sorgen insbesondere die Zeiten („tenses“) für Ärgernis und Frust. Wenn Sie diese Tabelle betrachten, wird es klar, dass es im Deutschen keine einfache Entsprechung für die Zeitangaben gibt. Diese Aspekte würde ich beim Englischlernen besonders stark betonen.
  • Phonetik. Da Englisch phonetisch stark vom Geschriebenen abweicht, würde ich empfehlen, sich auf diesen Aspekt besonders stark zu fokussieren.
  • Aktive, idiomatische Gesprächsführung. Englisch ist weitaus mehr idiomatisch geprägt als, zum Beispiel, Deutsch. Vieles wird indirekt oder mithilfe von Idiomen umschrieben. Wenn man diese nicht kennt, bleibt einem nur noch, höflich zu lächeln und zu schweigen.

Die englische Grammatik stellt, trotz all ihrer Unwägbarkeiten, für einen willigen Lernenden keine unlösbare Herausforderung dar. Korrekte Rechtschreibung und vor allem die richtige Aussprache sind dagegen ein Problem. Dabei geht es nicht nur um Akzentfreiheit. Englische Wörter werden meist anders ausgesprochen als geschrieben. Es existieren zwar Regeln, wie man bestimmte Wörter ausspricht, aber sie sind kompliziert und unlogisch. Die englische Aussprache ist häufig kontextsensitiv. Zum Beispiel wird das Wort „concrete“ entweder auf die erste oder auf die zweite Silbe betont: „concrete“ für Beton und „concrete“ für „konkret“. Umgekehrt gibt es auch viele Wörter, die zwar unterschiedlich geschrieben werden, aber ähnlich klingen wie „man“ vs. men“ oder gar identisch (Homonyme) wie „see“ vs. „sea“. Von solchen Überraschungen gibt es eine beachtliche Zahl. 

Persönlich habe ich die aktive Gesprächsführung sowie die korrekte Aussprache als die größte Herausforderung empfunden. Die übrigen Aspekte sind hauptsächlich Fleißarbeit. Daher würde ich dem Thema „Aussprache und idiomatische Gesprächsführung“ die größte Bedeutung beimessen.

Da die meisten von uns doch recht viel Englisch mitbekommen haben, setze ich im Folgenden solide Grundkenntnisse voraus und konzentriere mich bei der Auswahl von Hilfsmitteln und Lerntipps auf diese Zielgruppe.

Wahl einer Lernhilfe

Die WELT (LINK) fasst mehrere Lernoptionen gut zusammen, wenngleich der Stil des Artikels stark technokratisch anmutet. Sicherlich sind diese Optionen Geschmackssache. Es ist natürlich auch eine Frage der zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel. Man kann sehr viel Geld in solche Maßnahmen versenken und dabei wenig Erfolg erzielen. Einige landläufig populäre Ideen, wie Sprachreisen oder lose Lerngruppen, schätze ich als recht unwirksam ein.

Es liegt zwar klar auf der Hand, dass ein persönlicher, guter Lehrer am effektivsten helfen könnte. Noch besser, wenn es ein Muttersprachler ist, damit ausgeschlossen werden kann, dass sich Germanismen in die Sprache einschleichen. Doch muss man bei muttersprachlichen Lehrern oft hohe Kosten in Kauf nehmen. Das geht natürlich, vor allem auf die Dauer, gehörig ins Geld.

Eine mögliche Variante wäre es, Fernunterricht per Skype oder Ähnliches zu buchen. Nach einigen Nachforschungen stellte ich aber fest, dass es nicht unbedingt günstiger wird, als einen muttersprachlichen Lehrer vor Ort zu engagieren. Auch fällt die Qualitätskontrolle auf die lange Entfernung schwer.

Die allergünstigste Variante wäre natürlich, ein gutes Englisch-Lernbuch zu kaufen. Das ist jedoch mit Schulenglisch-Qualität weitgehend gleichzusetzen; aktiv Englisch reden lernt man dabei kaum. Selbstverständlich sind gute Lernmaterialien wichtig, aber eben nicht ausreichend. Während man die gesamte Grammatik beherrschen und unzählige Vokabeln lernen kann (und sollte), fehlt die Möglichkeit, selbst sowohl zu sprechen als auch gehört und – vor allem – korrigiert zu werden.

Einen attraktiven Kosten-Nutzen-Effekt könnte ein virtueller, interaktiver Lehrer bieten. Warum nicht die künstliche Intelligenz bemühen? Das hört sich sehr innovativ an: Englisch lernen ohne menschlichen Lehrer, soviel und sooft und vor allem wann man möchte und kann. Was sich wie Science-Fiction anhören mag, ist inzwischen Wirklichkeit geworden.

Mein Lehrer, die App

Wenn kein Lehrer zur Verfügung steht, kann – so meine Schlussfolgerung – vielleicht moderne Software helfen. Ich habe daher in der Vergangenheit einige Lernsoftware-Pakete ausprobiert, mit mäßigem Erfolg. Die Qualität der Spracherkennung in diesen Programmpaketen war schlicht nicht akzeptabel.  Aus diesem Grund habe ich Versuche dieser Art damals verworfen.

Heute sieht die Lage zum Glück deutlich besser aus. Die Spracherkennung (sowie Sprachsynthese) ist inzwischen erstaunlich weit fortgeschritten. Hören Sie selbst (Text stammt aus dem ELSA-Blog des Herstellers, siehe HIER).

Was Sie da hören, ist eine rein synthetische Sprache, keine Aufnahme.

Doch das ist erst ein Anfang. Inzwischen gibt es Apps, die nicht nur sprechen und verstehen können, sondern auch die korrekte Aussprache überwachen und korrigieren. Dies ist für mich ein wahrer Quantensprung. Bei meinen Recherchen stieß ich neulich auf die App ELSA. Sie ist für Android (LINK) und iPhone (LINK) zu haben. ELSA kann Englisch sprechen und verstehen. Mehr noch: Sie korrigiert auch die Aussprache und spricht Tipps aus, wie bestimmte Phoneme ausgesprochen werden müssen. Dabei markiert Elsa die falsch ausgesprochenen Laute innerhalb eines Wortes mit Hinweis, wie die Aussprache sich anhören sollte. Das funktioniert überraschend gut. Manchmal bedarf es zahlreicher Versuche, bis man die Korrektur akzeptiert und umsetzt. Man wird so richtig auf sich stolz, wenn man es geschafft hat.

ELSA ist mehr als nur ein Vokabeltrainer und Aussprache-Coach. Die App bietet einen kompletten, recht umfangreichen Englisch-Lehrgang. Er ist so strukturiert, dass man täglich einen Satz von Übungen absolvieren kann. Typischerweise sind es fünf Lektionen, die – je nach Vorkenntnissen und Anspruch – zwischen 15 und 45 Minuten dauern. Ich empfinde die Organisation der Lerneinheiten als recht gelungen.

ELSA: Beispiel eines interaktiven Dialogs.
ELSA: Beispiel einer Korrektur. Rot markierte Laute sind verbesserungsbedürftig.

Perfektion ist indes nicht zu erwarten, auch wenn die App schon fast unheimlich gut funktioniert. Man könnte zum Beispiel bemängeln, dass Elsa Englisch mit einem starken (schätzungsweise) kalifornischen Akzent spricht. Eine Alternative dazu gibt es nicht. Es wäre vielleicht schön, zumindest als Option, stattdessen britisches Hochenglisch lernen zu können. Auch bemängelt Elsa sporadisch Aussprachefehler, die meiner Ansicht nach definitiv keine sind. Doch das kommt nur sehr selten vor.

Zusammenfassend kann man sagen, dass ELSA eine ausgezeichnete Lernhilfe darstellt. Ich konnte eine Reihe von Fehlern auf diese Weise ausbügeln und – so meine Hoffnung und Einschätzung – sicherer und professioneller auftreten.  

Der Kostenpunkt: einmalig ca. 100 EUR, mit lebenslangem Support. Meine Erfahrungen mit dem Support waren ebenfalls sehr positiv, sodass ELSA für mich ein recht rundes Paket darstellt.

Weitergehende  Apps

Selbsthilfe beim Englischlernen bieten weitere Apps sowie Funktionen, die Android von Haus aus anbietet. Als Erstes ist zu empfehlen, die Sprachausgabe Ihres Smartphones zu optimieren.

Google Assistent : Auswahl der gewünschten Stimme

Wenn Sie zusätzlich die „Google Sprachausgabe“-App installieren (LINK), erhalten Sie eine große Anzahl von Stimmen, die sich teils täuschend echt und natürlich anhören.

Mit Android können Sie sich beinahe beliebige Inhalte vorsprechen lassen, und zwar – wenn Sie die richtige Sprachausgabe gewählt haben – in einer Nachrichtensprecher-Qualität, natürlich auf Englisch. Sie könnten andere Akzente wählen, auch „very British“ – Englisch steht vielfach zur Wahl.

Für die (englische) Sprachausgabe beliebiger Texte benutze ich eine weitere Android-App: Voice Aloud Reader (LINK).

Voice Aloud Reader: Sprachausgabe eines Textabschnitts

Ich benutze Voice Aloud Reader schon seit etlichen Monaten und finde die App sehr gelungen. Sie hat mich zum Zeitpunkt des Erwerbs ca. 10 EUR gekostet.

Eine interessante Option ist es, ganze Bücher (etwa im PDF-Format) auf das Smartphone zu kopieren und über diese App vorlesen zu lassen. Es ist zwar immer noch nicht die gleiche Qualität wie bei einem guten menschlichen Sprecher, aber die Sprachausgabe ist inzwischen beinahe lebensecht.

Nun gilt es, Wörter, die Sie bei Ihrem App-Unterricht – oder aus anderen Quellen – erfahren, aufzuschreiben und anschließend systematisch zu üben. Statt der früher üblichen Zettelwirtschaft zum Notieren von Vokabeln bietet sich eine der Englisch-Wörterbuch-Apps an, die es im Google Play Store in großer Zahl gibt. Mein Favorit ist die App „Merriam Webster“ (LINK). Wenn Sie sich registrieren (was optional ist), können Sie Ihre Vokabeln auch im Web verwalten (siehe LINK). 

Verbindet man nun die „Voice Reader“- mit der „Merriam Webster“-App, kann man bequem Vokabeln lernen und sich die Vokabelbeschreibung vollständig, mit frei wählbarem Akzent (ob Britisch oder Amerikanisch, je nach Vorliebe) vorsprechen lassen. Dabei gehe ich wie folgt vor:

  • Wenn ich eine interessante Vokabel wahrnehme, wechsle ich zur „Merriam Webster“-App und finde sie.
  • Um mir die Beschreibung vorlesen zu lassen, benutze ich die Funktion „Teilen“ (Share), suche die „Voice Reader“-App und lasse mir den Inhalt bequem vorlesen.
Aufruf einer Vokabel in der Merriam Webster App
„Share“ von der Wörterbuch-App übertragen in „Voice Aloud Reader“-App
Sprachausgabe eines Wörterbuch-Eintrags

Mit diesen Hilfsmitteln gibt es nun wirklich keine Ausrede mehr für einen zu schmalen Wortschatz.

Weitere Lernmittel

Grammatik: English Grammar (Quick Study Quizzer): LINK. Qualitätslevel: Spickzettel.

Englische Filme: Wenn Sie Filme schauen, tun Sie es von nun in Englisch. Amazon und Netflix, um zwei Beispiele zu nennen, bieten die Originaltonspur an. Sie werden Wörter und Ausdrücke finden, die Sie noch nie – oder nicht in diesem Kontext – gehört haben. Fügen Sie diese Vokabel zu Ihrer Übungsliste hinzu. Das betrifft auch die anderen Medienangebote in dieser Liste.

Hörbücher: Wenn Sie Hörbücher hören, zum Beispiel auf Audible, bestellen Sie sie immer in englischer Sprache. Seien Sie nicht frustriert, wenn Sie manchmal das Gefühl haben, dass Sie nur die Hälfte behalten konnten. Hören Sie diese Hörbücher am besten immer zweimal. Wiederholung hilft.

Web: Unzählige Web-Angebote stehen zu Verfügung. Es genügt, einfach Ihre favorisierte Suchmaschine zu bemühen, um Hunderte von Lernseiten zu finden. Die folgenden Web-Angebote nehme ich (teils sporadisch, teils häufig) in Anspruch:

  • Free English Grammar Lessons: Autor:Oxford Online English. Angenehm strukturierte Video-Lektionen fördern das Verständnis grammatischer Knackpunkte, mit hilfreichen Beispielen. Es werden typische Fallstricke wie die Nutzung von „can“ vs. „should“ vs. „have to“ vs. „must“ erläutert. Qualitativ hochwertig.
  • British Council English Learning: Autor: British Council. Für Menschen, die klassisch lernen möchten, gibt es hier Bezahlangebote zu allen Aspekten (Grammatik, Grundlagen etc.). Sinnvoll, wenn Sie ein schriftliches Examen ablegen möchten (typischerweise für die ESL-Prüfung).

Podcasts: Die Podcast-Sphäre ist riesig, vor allem im englischsprachigen Raum. Die meisten sind jedoch ziemlich kurzlebig oder als Lernhilfe ungeeignet. Ihre persönlichen Präferenzen sind entscheidend. Hier ist eine Auswahl aus meiner sehr subjektiven Liste von Podcasts, die ich gerne höre:

  • The English We Speak. Autor: BBC. Kurze Sendungen, jeweils mit einem Idiom, mit Hintergrund und Erklärung. Angenehme Kost für Englisch-Lernende. Sehr zu empfehlen. 
  • Hardcore History. Autor: Dan Carlin. Fantastische Qualität des Inhalts, sehr gut gesprochen. Der Autor, Dan Carlin, ist studierter Historiker und war über Jahre Radiosprecher. Sehr zu empfehlen.
  • No Agenda. Autor: Adam Curry und John C. Dvorak. Leichte Kost, politisch angefärbt. Wen das nicht stört, der erhält drei Mal die Woche mehrere Stunden (!) guten Content ohne Werbung. Immer wieder werden idiomatische Ausdrücke benutzt, die man teils auch gleich „klauen“ kann.
  • The Journal. Autor: The Wall Street Journal. Aktuelle Hintergründe, politisch recht neutral, gute Qualität.

Die meisten Podcast-Apps helfen Ihnen, weitere Podcasts zu finden. Ich benutze die kostenpflichtige Android-App „Podcast Addict“ (LINK), die unzählige Funktionen anbietet und sehr stabil läuft.

Wählen Sie Medienangebote, die Sie persönlich mögen. Es ist Herausforderung genug, eine Fremdsprache zu lernen; da ist es kaum hilfreich, wenn es eine lästige Pflicht wird. Das Ziel muss sein, dass Sie gerne eines der obigen (oder gleichwertigen) Angebote in Anspruch nehmen; Hauptsache ist dabei, dass die Sprecher Muttersprachler sind.

In Übrigen hilft das Finanzamt bei Ihren Bemühungen, Ihr Englisch zu verbessern. Da Sie es ja Ihres Berufes wegen tun, können Sie alle diese Mittel als Betriebsausgabe absetzen. Das geht natürlich nur, wenn die Materialien ausschließlich in englischer Sprache vorliegen; wenn ein Film, zum Beispiel, sowohl die englische als auch die deutsche Tonspur beinhaltet, dann geht das nicht. Es genügt schon ein deutsches Hörbuch in Ihrer Audible-Sammlung, um womöglich in steuertechnische Schwierigkeiten zu geraten.

Bitte beachten Sie aber bei diesem Tipp, dass ich ein steuertechnischer Dilettant bin. Ich biete keine Steuerberatung an; konsultieren Sie unbedingt Ihren Steuerberater, um diesbezüglich eine verlässliche Auskunft zu erhalten.

Der persönliche Übungsplan

Wie oft, wie lange und wann sollte man lernen?

Wann: Jeder hat seinen Biorhythmus, jedoch gibt es auch wissenschaftliche Hinweise, wann das Lernen am effektivsten ist. Die geeignetste Zeit liegt demnach zwischen 10 und 14 sowie zwischen 16 und 22 Uhr. Da die meisten von uns zu der Zeit arbeiten, ist eine private Nutzung dieser Korridore nicht immer möglich, abgesehen von Wochenenden. Manche Forscher behaupten, dass Lernen am Morgen am effektivsten sei. Meine persönliche Präferenz ist 7:30 Uhr morgens, nach dem ersten Kaffee (oder währenddessen).

Wie oft: Ich empfehle eine tägliche Englisch-Dosis. Lieber kürzer, aber nicht seltener. Die Wiederholung ist die Mutter des Erfolgs. Seien Sie nicht frustriert, wenn Sie am nächsten Tag vieles vergessen haben – das ist leider normal. Daher empfiehlt es sich, interessante Vokabeln mehrfach zu wiederholen. Dabei sind die Forscher unterschiedlicher Meinung, welche Variante der Repetition am effektivsten ist. Ein möglicher Plan wäre folgende Wiederholungen:

  • vor dem Schlafengehen
  • als Teil des täglichen „Drills“ am Morgen
  • nach 7 Tagen
  • nach 14 Tagen
  • nach 6 Wochen

Die Chance steht nicht schlecht, dass Sie mit zwei Wiederholungen (heute Abend, morgen und nach einer Woche) bereits eine über 90-prozentige Erfolgsquote erreichen.

Lernfähigkeit im Allgemeinen – und die Merkfähigkeit im Speziellen – ist übrigens auch ein Skill, das durch regelmäßige Wiederholung kontinuierlich verbessert werden kann.

Wie lange: Eine halbe Stunde pro Tag ist aus meiner Sicht eine Mindestvorstellung. Etwa 45 Minuten wären ein gesunder Wert. Wenn möglich auch an Wochenenden, wenn es Ihnen Freude macht.

Es hilft manchmal, die Regeln als Plan festzuhalten oder sogar in Ihrem Zeitplan (Outlook etc.) festzuhalten. Vor allem dann, wenn es Spaß macht, damit „herumzuspielen“.

Wie geht es weiter?

Nun haben Sie den Plan, die Lernmittel und hoffentlich auch die Motivation, Ihre Englischkenntnisse erheblich zu verbessern. Denken Sie bitte daran: App-basierte Lernmittel unterliegen einer kontinuierlichen Veränderung. Was im Moment sinnvoll und hilfreich ist, kann bald „kalter Kaffee“ werden. Es ist daher unabdingbar, nach innovativen Apps und Websites Ausschau zu halten, um Ihre Englischkenntnisse weiter (und noch effektiver) ausbauen zu können. 

Die anderen Lernmittel, wie Bücher und Sprachkurse, bleiben voraussichtlich noch sehr lange in der heutigen Form präsent.

Auch könnte ich lange über andere Wunschvorstellungen philosophieren, wie zum Beispiel:

  • Englische Rhetorik. Wenn Sie eine führende Funktion haben, wäre ein aktiver Kurs in „Public Speaking“ Gold wert. Im Übrigen ist „Public Speaking“ ein Standardfach an den meisten britischen Schulen.
  • Ihre Familie anstecken. Wenn Sie gut Englisch beherrschen, können Sie Ihr Kind bilingual erziehen, und zwar ab dem Alter von einem Jahr. Es gibt Tricks und Kniffe, wie man das hinbekommt. Es macht richtig Spaß, Englisch gemeinsam zu genießen.
  • Englisch-schreibender Autor werden. Es ist ein sehr hartes Brot für „Non-natives“. Sie werden viel aktive Hilfe brauchen, wenn Sie ein Paper oder gar ein Buch verfassen. Das wird sicher kostspielig werden. Jedoch prophezeie ich aus Erfahrung, dass Sie – sollten Sie eines Tages auf die Idee kommen, in ein anderes (gar Englisch-sprachiges) Land zu ziehen – es bereuen werden, wenn Ihre Publikationen nur auf Deutsch vorliegen. Im Klartext: Sie erhalten mehr Gehalt bzw. einen höherwertigen Auftrag, wenn Sie als Referenz englische Inhalte präsentieren können.
  • Vorübergehend Expat werden. Es ist wunderbar, wenn Sie es einrichten könnten, ein bis zwei Jahre in einem englischsprachigen Land zu leben. Sie lernen echtes Englisch, und das gibt Ihnen maximal mögliches sprachliches Selbstvertrauen. Ein schönes Gefühl.

Es wird Gründe gegen das Englischlernen geben, vielleicht gesundheitlicher, vielleicht beruflicher Art. Englischlernen und Fitnesstraining unterliegen hinsichtlich der Motivationscharakteristika ähnlichen Regeln: es ist schwer anzufangen, es dauert lange, bis man den richtigen Rhythmus findet, und es ist leider auch sehr leicht, unzählige Ausreden zu finden, um nicht weiterzumachen. Hier ist mein Angebot: Bitte sprechen Sie mich doch direkt an. Ich meine es im Ernst. Wir kriegen es gemeinsam hin. 

Lassen Sie sich auf keinen Fall entmutigen. Auch wenn Sie eine lange Durststrecke durchmachen – Sie kriegen den inneren Schweinehund klein.

Meine persönliche Meinung ist, dass die Fähigkeit, Fremdsprachen zu lernen, direkt proportional zu der Motivation des Lernenden ist. Es hört sich nach einer abgegriffenen Floskel an: Wenn man will, findet man einen Weg. Ich glaube aber, dass ein gehöriges Korn der Wahrheit darin steckt. Im Umkehrschluss kann der beste Lehrer nichts erreichen, wenn das Thema für Sie eine unangenehme Last darstellt. Bitte lassen Sie sich nicht einreden, es sei zu schwer oder zu spät. Das ist so gut wie nie der Fall. Ehrenwort.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg beim Meistern Ihrer Englischskills, denn Sie werden sich selbst dafür danken!

Roman Mildner
Über Roman Mildner 76 Artikel
Roman Mildner is ein zertifizierter Projektmanager (PMP), Berater bei der United Mentors und Buchautor. Er arbeitete seit 1992 in der IT-Branche und ist seit 1998 ein Managementberater. Zu seinen Beratungsschwerpunkten gehören IT-Strategieberatung und Prozessverbesserung, insbesondere im Bereich von Automotive SPICE. Weitere Details finden Sie auf seiner United Mentors-Seite.

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